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Ein neuer Arbeitsschwerpunkt entwickelt sich: Beratung und Begleitung von Frauen mit Depressionen und / oder Burnout „Eine Reise von 1000 Meilen beginnt mit dem ersten Schritt“ (Luise Reddemann, 2004) In diesem Fall bestand für uns der erste Schritt wohl im Jahr 2007 in der Information einer Kollegin aus einer anderen Beratungsstelle, dass es in Hannover Bestrebungen gäbe, ein lokales Bündnis gegen Depression zu gründen und dass es doch wünschenswert wäre, wenn der Frauen-Treffpunkt dort auch mitarbeiten würde. Erstens sei es wichtig, dass dort neben Kliniken und Selbsthilfegruppen auch die hiesigen Beratungsstellen vertreten seien und dass sich zweitens mehr Frauen einbrächten. Als im Oktober 2008 die Auftaktveranstaltung des Bündnisses gegen Depression in der Region Hanno- ver stattfand, hatte bereits eine unserer Mitarbeiterinnen an der Train-the- Trainer- Schulung des Bündnisses teilgenommen und wir waren festen Willens und gut gerüstet, dort mitzuarbeiten. Die Aufgabe des Bündnisses bestand und besteht vor allem in der Durchführung einer Aufklärungskampagne über die Erkrankung, die nach wie vor häufig nicht oder erst spät erkannt wird und auf Seiten der Betroffenen und ihres Umfeldes leider immer noch sehr schambe- setzt ist, was den Schritt in Richtung auf zeitnahe adäquate psychotherapeuti- sche und medizinische Behandlung zusätzlich erschwert. Für uns als Vertrete- rinnen einer parteilichen Arbeit für Frauen besteht die Aufgabe in diesem Rahmen vor allem darin, gendermedizinische Ansätze und Fragestellungen in die Kampagne einzubringen und in der konkreten Arbeit immer wieder zu fra- gen, wie wir zu einer besseren Versorgung der betroffenen Frauen und zu besseren Präventionsmaßnahmen beitragen können. Zur Zeit sind in Deutschland ca. 5%, d.h. 4 Mio. Menschen depressiv erkrankt erkrankt. Frauen sind dabei doppelt so häufig betroffen wie Männer. Die Ge- fahr, zumindest einmal im Laufe ihres Lebens an einer Depression zu erkran- ken , liegt bei Frauen bei 25%, bei Männern bei 12%. Groß angelegten Fami- lien- und Bevölkerungsstudien zufolge lässt sich insgesamt seit Mitte des 20. Jh. eine Zunahme der depressiven Erkrankungen feststellen. Nach Hochrechnun- gen der WHO werden Depressionen ab dem Jahr 2020 neben den Herz- Kreislauferkrankungen die häufigste Krankheit weltweit sein. Häufig werden Depressionen nicht richtig erkannt, zur Zeit werden etwa 30 – 35% korrekt diagnostiziert und nur 10% adäquat therapiert. (Bündnis gegen Depression, Materialien für Trainer). Dies ist umso dramatischer, als dass sich das Wieder- erkrankungsrisiko stark erhöht, wenn nicht adäquat therapiert wird. Jede 5. depressive Erkrankung wird ohne Behandlung chronisch. Insbesondere Frauen leiden häufiger unter ungünstigeren Kranheitsverläufen und höherem Wiederer- krankungsrisiko. Vor allem psychosoziale Faktoren sind es, die für die höheren Erkrankungsraten von Frauen verantwortlich sind: neben Armut, spielen insbe- sondere fehlende Kontrolle über Entscheidungsprozesse (Konzept der erlern- ten Hilflosigkeit), schwere, unkontrollierbare Lebensereignisse (z.B. körperliche und sexuelle Gewalt, abrupte Trennungen) und lang andauernder chronischer Stress wie z.B. prekäre Arbeitssituation und Wohnverhältnisse, alleinige Ver- antwortung für die Kinder und Mehrfachbelastungen eine entscheidende Rolle bei erhöhten Depressionsraten. Diesen psychosozialen Stressoren sind Frauen aufgrund struktureller Benachteiligungen wesentlich häufiger ausgesetzt als Männer. So konnten US-amerikanische Studien zeigen, dass alleinerziehende Frauen, die in Armut leben, die höchsten Depressionsraten überhaupt aufwei- sen und dabei selten eine angemessene Behandlung erhalten. Auch verheiratete Frauen mit Kindern, die rollenspezifischen Mehrfachbelastungen ausgesetzt sind, oder die die Hauptlast der Verantwortung für die Pflege von Angehörigen zu tragen haben, tragen ein erhöhtes Depressionsrisiko. (Vgl. dazu C. Kühner in: Stoppe, Bramesfeld, Schwartz (Hrsg.), Volkskrankheit Depression? 2006, S.191 ff). Hier wird schließlich auch die Beziehung zum Burnout deutlich: am Ende eines psychischen und physischen Erschöpfungszustandes durch Dauer- stress steht oftmals eine depressive Erkrankung. Besondere geschlechtsspezifische Stressoren stellen jedoch körperliche, psychische und sexuelle Gewalt für Frauen dar. Alle Formen von Gewalt sind eng assoziiert mit der Entwicklung von Depressionen, posttraumatischen Belastungsstörungen, Angststörungen, Substanzmittelmissbrauch und Suizidali- tät. Nicht zuletzt die einschlägigen Gewaltstudien belegen hier das besondere Risiko von Frauen, d.h. es ist anzunehmen, dass ein Großteil der depressiven Erkrankungen bei Frauen als Traumafolge-Störungen anzusehen sind. Im Laufe des Jahres 2008 gründeten wir mit Vertreterinnen anderer Einrichtun- gen am Runden Tisch für Frauen- und Mädchengesundheit der Region Hanno- ver die Arbeitsgruppe „Gender und Depression“, die schließlich als AG des Hannoverschen Bündnisses vom Bündnis gegen Depression aufgenommen wurde. Das Hannöversche Bündnis ist bundesweit das einzige Bündnis, das sich in einer Arbeitsgruppe schwerpunktmäßig mit Genderfragen befasst. Diese Arbeitsgruppe, in der der Frauen-Treffpunkt engagiert mitarbeitet, hat in- zwischen zwei Fachtagungen zum Thema durchgeführt, deren Dokumentation auf der Webseite des Bündnisses veröffentlicht ist. Uns war klar, dass, wenn die Kampagne des Bündnisses erfolgreich sein würde, wesentlich mehr Frauen als bis dahin zeitnahe Unterstützung und erste Hilfsangebote nachfragen würden. Aus diesem Grund haben wir 2008 be- gonnen, therapeutisch angeleitete Gruppen speziell für Frauen mit Depressionen und mit Burnout anzubieten. Ab Ende 2008 konnten wir mit Unterstützung der Region Hannover eine zusätzliche offene Sprechstunde zum Thema einrichten, was neben unseren allgemeinen niedrigschwelligen offenen Angeboten ein wi- chtiges kostenloses Angebot für ratsuchende Frauen darstellt, die sich zu einem „ersten Schritt“ in Richtung auf psychotherapeutische Behandlung entschieden haben. Beate Schacht
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